Geschichte

Foto der Feuerwehr von 1934

Foto der Feuerwehr von 1934


Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Rieste

Vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rieste gab es in der Gemeinde die Verpflichtung zur Brandbekämpfung: Jeder Haushalt hatte, seiner Größe und seinem Anteil an der Mark entsprechend, Geräte zur Brandbekämpfung, wie Ledereimer, Feuerhaken und -patschen stets in gutem Zustand bereit zu halten, was jährlich überprüft wurde. Weiter war festgelegt, wer die Feuerspritze zu bespannen und zu bedienen hatte, sowie die Bezahlung dafür. Diese Kosten wurden in Rieste aus der Markkasse bestritten. Bei der Teilung der Mark wurde dafür dann eine Fläche für diese Kosten der Gemeinde zugewiesen. Seit etwa 1750 gab es im Osnabrücker Lande auch eine Feuerversicherung. Zu Hannoverscher Zeit wurden dann auch Vorschriften für vorbeugenden Brandschutz erlassen: So mussten die bis dahin am 2. Balken angebrachten Dielentüren zur Verbesserung der Fluchtmöglichkeit an den Giebel vorgesetzt werden, und am rückwärtigen Giebel war eine Feuertür herzustellen, um auch hier einen besseren Fluchtweg zu haben. Auch hinten überstehende Giebel waren nicht gern gesehen, sind aber zum Teil noch heute vorhanden. Im Vermessungsregister der Gemeinde Rieste, aufgestellt von den Offizieren du Plat im Herbst 1784, ist unter der Nr. 142 auf dem Lienacker das Spritzenhaus angeführt. Der Lienacker befand sich zwischen den Höfen Stockhau und Beckermann. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war dann das Spritzenhaus am Ortsausgang des Dorfes zum Diek hin neben der damals errichteten evangelischen Kapelle, wo auch das jetzige Gerätehaus (1995) steht. Es hatte zunächst zwei Unterstellplätze für die Spritze und den Leichenwagen, dazwischen war der Mannschaftsraum. Als dann 1918 eine Flüchtlingsfamilie aus Ostpreußen, die aus dem an Polen abgetretenen Gebiet bei Suwalki kam, in der Gemeinde untergebracht werden mußte und sich niemand fand, der sie aufnahm, wurde das Haus aufgesteckt, der mittlere Raum für die Treppe genommen und die Familie dort untergebracht. Gleichzeitig wurde am Nordgiebel eine Vorrichtung zum Trocknen der Schläuche angebracht, was bei den damals gebräuchlichen Schläuchen sehr wichtig war.

Als es sich nach 1933 herausstellte, dass es für jeden besser war, wenn er in einer Organisation Mitglied war, wurde hier, wie auch in vielen benachbarten Gemeinden, die Freiwillige Feuerwehr gegründet und die Chronik beginnt dann mit dem Versammlungsprotokoll vom 15. März 1934 wie folgt:
“Am 15. März 1934 versammelten sich im Saale Bücker hierselbst einige junge Leute aus dem Dorf Rieste zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Um 8 Uhr abends eröffnete der Einberufer, Dorfschulze Herrn. Röwekamp, die Versamrnlung. Nach einer aufklärenden Aussprache verlas Herr W. Knabke das vom Landrat Dr. Peche bereits genehmigte Statut. Als Brandmeister wurde W. Knabke und zum Löschmeister E. Richter bestimmt. Folgende Leute traten der Wehr bei:

  1. Bernh. Buschermöhle
  2. Fr. Luttmer
  3. Heinr. Bosse
  4. Bemh. Walter
  5. O. Zur Oeveste
  6. Heinr. Wübbold
  7. Heinr. Kramer
  8. Jos. Kreutzmann
  9. Jos. Stuckenberg
  10. Herrn. Stuckenberg
  11. Jos. Kramer
  12. Georg Fleddennann
  13. Rud. Schwering
  14. Emst Bettermann
  15. Fritz Bruns
  16. W. Knabke
  17. Jos. Walter
  18. Heinr. Minning
  19. Heinr. Stuckenberg
  20. Herrn. Bödecker
  21. Herrn. Walter
  22. Bernh. im Walle
  23. Herrn. Brandewie
  24. Fritz Bollmann
  25. Viktor Möllmann
  26. Herrn. Luttmer
  27. Franz Torbecke
  28. Alfons Torbecke
  29. Herrn. Torbecke
  30. Gustav Niemann
  31. August Kreutzmann
  32. Wilhelm Rothert
  33. August Schnuck

In den dann folgenden Versammlungen wurde neben der Bestellung der Ausrüstung, die zunächst aus Mützen, Koppeln, Stahlhelmen, Steigergurten, Steigerleinen, Steigerbeilen, Faschinenmessern und Schulterriemen bestand und später durch die von den Riester Schneidern gefertigten Uniformen ergänzt wurde, ein monatlicher Beitrag von 25 Pfennig festgesetzt, bei Nichterscheinen zum Dienst sollten 10 Pfennig und bei unentschuldigtem Fehlen 50 Pfennig gezahlt werden. Dann “ließ nach vorangegangenen Fußdienstübungen der Brandmeister die Mannschaften einzeln vorübermarschieren und sie gelobten durch Handschlag Treue und Gehorsam”. Als weitere Anzeichen der “Neuen Zeit” wurde dann ein Kamerad laut ministeriellem Erlaß in die SA zurückversetzt und später ein Kamerad für einige Zeit aus der Wehr ausgeschlossen. Weiter war die Anwesenheit bei nationalen Feiertagen und Veranstaltungen der Partei Pflicht.

Das erste Feuerwehrfest wurde dann am 2. Weihnachtstag 1934 bei Bücker gefeiert. Der Eintritt betrug 50 Pfennig, und die 4 Musiker aus Lohne kosteten 56 Mark. Im Haushalt der Gemeinde wurden 900 Mark veranschlagt zur Vervollständigung der von der Pflichtfeuerwehr übernommenen Geräte und dafür 17 Schläuche je 15 m mit Storzkupplung bestellt und weitere 13 Storzkupplungen für noch vorhandene Schläuche, sowie Arbeitskittel für die Mannschaft und Signalhörner angeschafft. Die erste Übung war am 29. April 1935, Übungsobjekt war die Scheune des Hofes Wiebolt. Dazu wurde Wasser aus dem gegenüberliegendem Graben genommen, nachdem die Kameraden die Spritze dahin gezogen hatten. Der erste Alarm war am 12. Mai während der Eröffnungsfeier des neuen Schießstandes im Rott. Es brannte im Klosterforst in der Voßlunge. Das Feuer wurde schnell erstickt, und die Kameraden konnten “nach kurzer Unterbrechung ihrem Festtaumel wieder nachgehen”. Im Jahre 1938 wurde eine Motorspritze zusammen mit einem Kraftwagen NAG 7-Sitzer mit Anhänger und weiteren 150m Schlauch zum Preis von 4188,- Mark angeschafft. Dazu gaben Landkreis, Brandkasse und Concordia-Versicherung einen Zuschuss und die Brandkasse außerdem noch ein niedrig verzinsliches Darlehen. 1940 wurde noch folgendes berichtet: Der Wehrführer Knabke wurde zur Wehrmacht eingezogen, sein Nachfolger wurde Bernhard Walter. Am 10. April fiel der Kamerad F. Brandewiede in Norwegen, und am 29. September wurde das Heuerhaus Bieste im Wittefelderort durch ein abgeschossenes englisches Flugzeug in Brand gesetzt. Damit endet die Chronik der Wehr bis 1950. Es ist aber bekannt, dass die Wehr während dieser Zeit stark in Anspruch genommen wurde und auch zu Einsätzen nach Luftangriffen nach Osnabrück gerufen wurde. In dieser Zeit wurde die Wehr durch junge Leute von der Feuerwehr-HJ unterstützt, um einsatzfähig zu bleiben. Aus dieser Zeit stammen die Mitglieder, die heute die Ehrenzeichen für 50jährige Mitgliedschaft tragen. Als Nachfolger von Bernhard Walter führte Rudolf Schwering die Wehr.

Am 12.10.1950 waren folgende Kameraden unter Ortsbrandmeister Josef Bosse in der Wehr Rieste:

  1. Josef Bosse seit 1941
  2. Rudolf Schwering seit 1934
  3. Friedrich Bruns seit 1934
  4. Ernst Bettermann seit 1934
  5. Heinrich Hinrichs seit 1942
  6. Bernhard Schmies seit 1942
  7. Fritz Albers seit 1939
  8. Georg König seit 1942
  9. Johannes Bosse seit 1942
  10. Heinrich Kreutzmann seit 1942
  11. Willi Strubbe seit 1943
  12. Erich Krowas seit 1946
  13. Gustav Bücker seit 1944
  14. Franz Klück seit 1946
  15. Josef Bollmann seit 1948
  16. Theo Schwitters seit 1948
  17. Erich Ebeling seit 1949
  18. Egon Berg seit 1949
  19. Siegfried Köller seit 1949
  20. Willi Spiering seit 1949
  21. Fritz Bücker seit 1949
  22. Walter Duwendack seit 1950
  23. Helmut Schillingmann seit 1950
  24. Horst Setzkorn seit 1950

Im Jahre 1950 wurde ein neues Fahrzeug Typ Ford Ruhr angeschafft, Kamerad Bruns zum Gerätewart und Kamerad Schwering zu dessen Stellvertreter ernannt. Für dieses Fahrzeug wurde die eine Garage im Gerätehaus nach hinten erweitert und mit einem Fenster versehen, der Spritzenanhänger war weiterhin in der 2. Garage untergebracht. Später wurde das Fahrzeug dann umgebaut und die TS mit den Saugschläuchen auch im LF 8 mitgenommen, und der Leichenwagen, der seit 1938 bei Müller im Dieck stand, konnte wieder in die 2. Garage einziehen. Die Löschwasserversorgung wurde in den von den Riester Wasserläufen weiter entfernten Gebieten durch Löschteiche zum Teil sichergestellt, die von der Wehr zu unterhalten waren. Zuletzt gab es noch Teiche im Vogelpool, bei Böning im Burlagerort und bei Pardiecks Hof. Weitere Teiche im Burlagerort waren seit dem Beginn der Verkoppelung im Westerfeld verschwunden. Im Jahre 1952 wurde bei Böning der erste Feuerlöschbrunnen gebohrt, dem dann in rascher Folge die Brunnen im Barlagerort, im Vogelpool, im Enkelstrodtort und im Diek beim Kriegerdenkmal und beim Hof Hagedorn-Stermann folgten. Mit dem Bau des Riester Wasserwerkes im Kleinen Esch im Jahre 1963/64 kamen die ersten Hydranten dazu, die jetzt mit über 55 Entnahmestellen die Löschwasserversorgung mit sicherstellen

Der erste Maskenball wurde im Jahre 1961 gefeiert mit Prinz Erich (Niemann) mit großem Erfolg. In den folgenden Jahren wurde das Fest mit der Beteiligung des Karnevalsvereins des Gesangsvereins Freya Bramsche und später auch noch mit der Karnevalsvereinigung De Klumpkes der niederländischen Einheit in Hesepe gefeiert bis zu deren Auflösung im Jahre 1989.

Der tragische Tod des Ortsbrandmeisters Josef Bosse im Januar 1963 in Ausübung seines Dienstes machte eine Neuwahl erforderlich, wobei nur Kameraden gewählt werden konnten, die auch über Tag erreichbar waren. Von den vorgeschlagenen Kameraden Willi Strubbe und Georg König wurde der letztere gewählt. Im selben Jahre erhielt die Wehr durch Beitritt von zahlreichen Kameraden eine gute Verstärkung.

An Brandeinsätzen sind besonders zu erwähnen der Sylvesterabendbrand des Hauses Devermann bei stürmischem Wetter, wo beklagenswerterweise das Fahrzeug nicht ansprang und zur Brandstelle mehr geschoben wurde, als es fuhr und die Sirene ebenfalls versagte; der Brand des Hofes Gr.-Burlage im Herbst 1960, dem das Wohn- und Wirtschaftsgebäude zum Opfer fiel und im Januar 1964 der Brand des Hofes Kl.-Kreutzmann, wo kaum Vieh gerettet werden konnte. Dieser wieder aufgebaute Hof brannte dann 1980 abermals. Dann folgte eine Brandserie, der in wenigen Jahren die Höfe Freie, Wiebolt, Sube, Beckermann, die Scheunen der Höfe Schwitte, Richtering und des Heuerhauses Helmich-Zeits ,sowie der Schweinestall des Hofes Richter zum Opfer fielen.

Der große Waldbrand im Hollenberg, verursacht durch ein kleines Feuer am Parkplatz der Autobahn, hielt die Wehren der schon neu gebildeten Samtgemeinde Bersenbrück mehrere Tage in Atem und konnte nur durch Ausschieben von Boden rund um die Brandstelle unter Kontrolle gebracht werden. Erst der Herbstregen sorgte dann für das endgültige Aus.

Im Jahre 1971 wurde das neue LF 8 Mercedes der Wehr übergeben, dafür wurde die Garage im Gerätehaus in Eigenleistung erneuert und isoliert. Im Zuge der Gebietsreform erhielt Rieste das TLF 8 des ZB von der Wehr Vörden, da Vörden zum Landkreis Vechta kam. Dieses paßte gerade in die 2. Garage, das Einfahren war jedoch Millimeterarbeit. Danach kam die Ausrüstung der Wehr mit Schaumlöschgerät, um 1972 wurden die ersten 6 Kameraden in schwerem Atemschutz ausgebildet und darauf die Geräte und Masken angeschafft. Das alte Gerätehaus wurde 1975 von den Kameraden der Wehr unter Zuhilfenahme eines Radladers abgebrochen, damit das neue Haus an derselben Stelle errichtet werden konnte, dessen Richtfest noch im Oktober 1975 gefeiert werden konnte. Der Einzug war dann im März und die feierliche Einweihung am 19. Juni. Im Jahre 1975 trat Georg König als Ortsbrandmeister zurück, und auf der Jahresversammlung wurden Heinrich Wiebolt zu seinem Nachfolger und Alfred Vocke zu seinem Stellvertreter gewählt. Es folgte als nächster Schritt die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Funk und die Sirenenalarmierung per Funk von der Leitstelle Osnabrück zugleich mit der Einführung des Notrufes 112. 1991 erhielt die Wehr als Ersatz für das TLF 8 Unimog, das dann der Wehr Charlottenthal in Mecklenburg überlassen wurde, ein neues TLF 8 Magirus, das nach Einholung im Juni dann am 13. September feierlich eingeweiht wurde.

Auf der Jahresversammlung im Jahre 1993 trat Ortsbrandmeister Wiebolt nach 18jähriger Wehrführung zurück, ebenso sein Stellvertreter Alfred Vocke. Zu Nachfolgern wurden als Ortsbrandmeister Wilhelm Wernke und als Stellvertreter Thomas Vocke gewählt, die dann im Juli durch die Samtgemeinde feierlich verpflichtet wurden, während Heinrich Wiebolt zum Ehrenortsbrandmeister ernannt wurde.

Im Jahre 1997 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus an der Barlager Straße gebaut, das 1998 eingeweiht werden konnte. Seitdem gibt es drei Garagen, in denen auch das neue Löschfahrzeug LF 16 (Anschaffung: 2003) sowie das Mehrzweckfahrzeug (Anschaffung: 2007) Platz finden. Im Erdgeschoß befindet sich ein geräumiges Brandmeisterdienstzimmer, während im Obergeschoß eine Küche und insbesondere ein großer Versammlungsraum vorhanden sind.

Das Mehrzweckfahrzeug wurde 2013 als Einsatzleitwagen (ELF1) ausgestattet: Die Übergabe des Fahrzeuges war im Juni 2013. Die Feuerwehr Rieste verfügt nun mit dem Abschluss der Umbauarbeiten über einen modernen ELW 1, der über Mittel des Feuerwehrbudgets sowie des Fördervereins finanziert wurde. Dieser im April 2008 gegründete Förderverein unterstützt die Feuerwehr aktiv. Er fördert sie in finanzieller Hinsicht bei Beschaffungen von Fahrzeugen, Ausrüstung und Geräten, unterstützt bei Fortbildungen und Übungen, hilft bei der Jugendarbeit und engagiert sich für die Öffentlichkeitsarbeit sowie Lehr- und Informationsveranstaltungen. Rund 100 Bürger sind ihm mittlerweile beigetreten und finanzieren so die Ausstattung der Riester Wehr mit. So wurde u.a. auch eine Wärmebildkamera durch die Finanzierung dieses Fördervereins beschafft.

Die Freiwillige Feuerwehr Rieste ist heute eine Stützpunktfeuerwehr innerhalb der Samtgemeinde Bersenbrück, unter der Leitung von Ortsbrandmeister Sven Kramer und seinem Stellvertreter Frank Ewing. Die beiden sind 2011 als Nachfolger von Wilhelm Wernke und Thomas Vocke gewählt worden. Wernke wurde im gleichen Jahr als Nachfolger von Günther Welp zum Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Bersenbrück gewählt.

Die Riester Wehr hat heute 42 aktive Mitglieder (seit 2002 auch mit Feuerwehrfrauen) und 10 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung.

Aktuell gehören der Freiwilligen Feuerwehr Rieste heute 45 aktive Feuerwehrmänner und –frauen an.

Die Riester Ortswehr hat jährlich ca. 30 Einsätze. Am 25.05.2014 feiert sie ihr 80jähriges Gründungsjubiläum. Es stehen wieder neue Herausforderungen an: Durch den Niedersachsenpark und der damit verbundenen Ansiedlung neuer großer Betriebe wie z.B. Adidas oder Grimme wird das Betätigungsfeld erheblich erweitert.

- Fortsetzung folgt -